Kreuzungen

Die Regelkreuzung des Vorbildes ist die Kr-1:9 passend zur Regelweiche EW-190-1:9. Alle Kreuzungen mit größeren Kreuzungswinkel fallen in die Rubrik Steilkreuzungen, die mit kleinerem Winkel sind die Flachkreuzungen. Für unsere Zwecke jedoch, die des Modellbahners, ist diese Einteilung weniger ergiebig; insbesondere für die Betrachtung und Entwicklung von Modellgleisplänen teilen wir sie etwas anders ein: Kreuzungen, deren Winkel dem einer Weiche entspricht, - dies ist unser heutiges Thema - und Kreuzungen, die dem doppelten oder mehrfachen des Weichenwinkels entsprechen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Abzweigwinkel und damit Kreuzungwinkel ist von Modellgleissystem zu Modellgleissystem verschieden, und für uns ist beim Nachbilden des Vorbildes die Funktion im Gleisplan wichtiger als die Maßstäblichkeit, die nur wenigen Selbstbauern möglich sein wird.

Kreuzungen mit einfachem Weichenwinkel sind beim Vorbild vor allem:

Bei dieser Aufstellung fällt auf, dass es keine Kreuzung mit dem Winkel 1:12 gibt, obwohl die EW-500-1:12 zu den häufigsten Weichen gehört. Mit dieser Weiche wird nämlich ebenfalls die Kr-1:9 verwendet, zu diesem Zweck wird der Bogen der Weiche bis zu einem Winkel von 1:9 verlängert (die so verlängerte Weiche wird als EW-500-1:12/1:9 bezeichnet, obwohl an ihr selbst baulich nichts verändert ist). Bei engem Gleisabstand reicht diese Verlängerung des Weichenbogens sogar in das gekreuzte Gleis hinein, so dass die dazugehörige Kreuzung ein modifiziertes Herzstück benötigt. Auf der Abb. 2 ist dies gut zu sehen.

Natürlich gab es auch die passenden Kreuzungen zu den früheren Länderbahnweichen, also zum Beispiel:

Der Verwendungszweck dieser Kreuzungen ist offensichtlich: Hinter der Weiche gilt es, ein Nachbargleis zu überqueren. Typischerweise tritt dies bei Abzweigungen von mehrgleisigen Strecken auf, oder Übergängen zwischen diesen - siehe Bilder ......(München und Saarbrücken).

Fast alle Modellgleissystem aller Zeiten hatten und haben eine solche Kreuzung im Programm. Dabei dürfte die Verwendung in Spielbahn-Gleisplänen im Vordergrund stehen. Man denke an die erste Steigerung des Ovals: die Acht.

Eine vorbildentsprechende Verwendung für einen Modellgleisplan zu finden ist gar nicht so einfach, wenn man nicht gerade Riesenbahnhöfe nachbauen will. Denn Voraussetzung ist in den allermeisten Fällen jedenfalls eine zweigleisige Strecke. Ein recht typischer Einsatzfall war in kleineren Bahnhöfen an zweigleisigen Strecken jedoch häufig, und da diese Gleispläne zusätzliche Rangierbewegungen erfordern und so den Spielspaß erhöhen, stellen wir sie etwas ausführlicher vor. Voraussetzung ist, wie gesagt, eine zweigleisige Strecke, und als Beispiel dient uns der Bahnhof Vollmarshausen der Pegnitztalbahn, wie er bis 1929 aussah:

Pegnitz

Ortsgüterzüge aus Nürnberg halten zunächst im durchgehenden Hauptgleis, lassen dort eventuell einen Teil des Zuges stehen, ziehen mit den für Vollmarshausen bestimmten Wagen vor die Ausfahrweiche und setzen über die Kreuzung in das Hausbahnsteiggleis zurück, das der Aufstellung von Güterwagen dient. Die mitzunehmenden Wagen werden auf dem selben Wege - über die Kreuzung - herausgezogen. Vor der Ausfahrt muss der Zug in jedem Fall wieder hinter das Ausfahrsignal zurück, wenn er nicht dort ohnedies noch den wartenden Rest des Zuges abholen muss. Für Züge aus Amberg gilt im Prinzip das gleiche, auch sie müssen vor die Ausfahrweiche und von dort zurück, nur dass sie nicht das andere Richtungsgleis kreuzen.

Weshalb der Umstand, fragt man sich. Der Grund war nicht, Weichen zu sparen. Zur Länderbahnzeit galt nämlich zunächst die Regel, dass Züge Weichen nicht von der Spitze her befahren dürfen. Züge sind dabei mit Streckengeschwindigkeit durchfahrende Züge, im Gegensatz zu Rangiereinheiten. Dies Beschränkung erlegte man sich natürlich aus Sicherheitsgründen auf, man fürchtete Entgleisungen durch falsch gestellte Weichen oder gebrochene Zungen. Bei großen Bahnhöfen, wo die Züge hielten und deswegen langsam einfuhren, war diese Einschränkung nicht erforderlich, aber auf kleinen Stationen, wo Schnellzüge mit Streckengeschwindigkeit durchfuhren, hielt man sich daran. Wenn Sie sich den Gleisplan daraufhin noch einmal ansehen, werden Sie feststellen, dass durchfahrende Züge Weichen nur vom Herzstück her befahren!

Heute gelten diese Beschränkungen schon lange nicht mehr, im Gegenteil: Kreuzungen sollen in durchgehende Hauptgleise nicht mehr eingebaut werden wegen des Entgleisungsrisikos im doppelten Herzstück. Daher wurden solche Anlagen meist schon zur Reichsbahnzeit, spätestens zur frühen Bundesbahnzeit umgebaut.

Kreuzung

Ein weiteres Beispiel zeigt die zweite Skizze: Die Orts­güterzüge kommen ausschließlich von links, die Güter­gleise liegen aber so, dass diese Züge das Gegengleis kreuzen müssen. Dafür reichen Kreuzungen völlig aus, wenn nicht vorgesehen ist, dass Züge der Gegen­richtung ausweichen können. Falls doch, müssten statt der Kreuzungen einfache Kreuzungs­weichen vorge­sehen werden.

Einige weitere Anwendungen von Kreuzungen in kleineren Bahnhöfen stellen wir Ihnen mit Bild vor.

Steilkreuzungen

Dies sind zum einen Kreuzungen mit dem doppelten Weichenwinkel

Kr-1:4,4442 x 1:9
Kr-1:3,683 2 x 1:7,5 (keine Regelbauart)
Kr-1:3,224 2 x 1:6,6
Kr-1:3,43 2 x 1:7 (Preußen)

Die häufigste Verwendung dieser Kreuzungen sind natürlich doppelte Gleisverbindungen und Kreuzungen mit anschließenden Weichen, auf die wir wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Gleisplanung gesondert eingehen. Auch solche Kreuzungen finden sich in vielen Modellgleissystemen.

Ferner gibt es Kreuzungen mit mehrfachem Weichenwinkel, und in dieser Rubrik gibt es eigentlich nur einen offiziellen Vertreter, die Kr-1:2,901 = 3 x 1:9. Noch steiler sind die Kr-8a-1:2,27 (etwa 3 x 1:7) und die Kr-49-1:2,46. Auch eine Kr-1:1,51 ist in den Unterlagen verzeichnet, eine Sonderanfertigung mit immerhin 33,5 Kreuzungswinkel!

Bei Modellgleissystemen hört es da im allgemeinen auf. Das ist deswegen schade, weil sich mit steilen Kreuzungen, wie unsere Bildbeispiele zeigen, gerade im Bereich der Gleisanschlüsse einiges rausholen lässt, besonders (beim Vorbild wie im Modell) unter platzbeschränkten Verhältnissen.

Eine Ausnahme ist allerdings zu nennen: Bei Shinohara kann man eine 90°-Kreuzung erwerben. Wie schon öfters angemerkt entspricht das Shinohara-Programm US- amerikanischen Vorbildern, und dort kamen rechtwinklige Streckenkreuzungen durchaus schon mal vor. Eine denkbare Verwendungen hierzulande wäre bestenfalls eine Kreuzung etwa auf einem Betriebsgelände, siehe das Beispiel aus Bremen.

Spezialkreuzungen

Hier sind zwei Kreuzungen einsortiert, bei denen ein (und nur ein Strang) gebogen ist. Die eine ist die Kr-1200/∞-1:11,515. Wie die Radiusangabe 1200 vermuten lässt, gehört sie zur Weiche EW-1200-1:18,5. Sie ist so gestaltet, dass sie den Bogen dieser Weiche genau fortführt und das Nachbargleis in 4 m Abstand kreuzt. Die Neigungsangabe 1:11,515 bezieht sich auf den Mittelpunkt der Kreuzung, d.h. den Schnittpunkt der Gleismitten, die beiden Herzstücke haben abweichende Winkel, das eine flacher, das andere steiler. Ist der Gleisabstand größer als 4 m, also z.B. 4,5 oder 4,75 m, wird ebenfalls diese Kreuzung verwendet, jedoch ein etwas weiterer Bogen zwischen Weiche und Kreuzung eingeschaltet, wobei Weichen- und Kreuzungende etwas verändert werden müssen. Heute findet man diese Kreuzung relativ häufig, meist aber in Kombination mit EW-760- 1:14.

Während die Kr-1200/∞-1:11,515 1929 von der DRG zusammen mit den übrigen Reichsbahnweichen eingeführt wurde, ist die zweite derartige Konstruktion eine Besonderheit der DDR-DR, d.h. sie kommt nicht in Westdeutschland vor: die Kr-500/∞-1:7,858. Sie dient dem gleichen Zweck: Sie führt den Bogen der EW-500-1:12/1:9 durch das Nachbargleis hindurch fort. Nach der Wiedervereinigung wurde sie aber auch in den DB-Profilen S54 und UIC60 entwickelt.

Beide Kreuzungen kommen natürlich - im Gegensatz zu ihren geraden Schwestern - in zwei spiegelbildlichen Ausführungen vor. Zur vollständigen Bezeichnung gehört also noch die Angabe, ob es sich um eine linke oder rechte Abzweigung handelt.

Während die beiden vorgenannten Kreuzungen zu den Regelkreuzungen der jeweiligen Verwaltungen gehören, gibt es daneben natürlich auch wieder Sonder­anfertigungen, siehe unser Bildbeispiel aus Kreuztal.

Technisches

Auf die technischen Einzelheiten wollen wir anhand des Beispiels der Regelkreuzung Kr- 49-1:9 eingehen. Zunächst ist darauf zu verweisen, dass bei einer Kreuzung außer den zwei ganz normalen Herzstücken zwei weitere Spurkreuzungen stattfinden. Diese nennt man doppelte Herzstücke. Bei den Reichsbahnweichen aus den Schienenprofil S49 ist hier eine Besonderheit zu verzeichenen: Es wird ein höheres Radlenkerprofil als für die normalen Radlenker verwendet.

Grund hierfür ist, dass man im Bereich der beiden doppelten Herzstücke die Radführung verbessern wollte; tatsächlich stellt dieser Bereich ein führungslose Stelle dar, die umso länger ist, je flacher die Kreuzung ist. So war es einer der Hauptgründe, die die Reichsbahn bewog, 1:9 als Regelneigung festzulegen, dass es bei den preußischen Kreuzungen 1:10 häufiger zu Entgleisungen kam. Flachere Kreuzungen, zu Reichsbahnzeiten also Kr-1:18,5 und Kr-1200/∞-1:11,515, bei der DB dann auch Kr-1:14, haben aus dem gleichen Grunde seit Anbeginn bewegliche Herzstückspitzen, die zwei zusätzliche Antriebe und ggf. entsprechende Sicherungs­vorrichtungen wie Riegel erforderlich machen.

Die Zeichnung zeigt im übrigen den Mittelteil der Kr-49-1:9. Die Endteile sind die gleichen, wie sie für die Weichen mit 190 m Radius verwendet werden - kopieren Sie also die Seite - der MIBA 5/93, schneiden Sie die Endteile aus und kleben Sie sie hier an. Dabei können auch die Endteile 1:7,5 oder 1:6,6 genommen werden, so dass auch bei der Kreuzung wie bei den Weichen steilere Endneigungen entstehen. Dies haben wir aus Platzgründen im Maßstab 1:160 (N) vorgeführt.

Auch die Kreuzungen unterlagen mit den Jahren einigen Bauartänderungen. Die einzige, die sich auch im Modell sichtbar wäre, hat mit den Herzstückspitzen im doppelten Herzstück zu tun: Die kurzen Blockspitzen wurden durch längere Spitzen aus Vollschienenprofil ersetzt. Dadurch änderte sich die Position der entsprechenden Breitschwellen.

Übersicht Vorbildfotos
188916
Kr-49-1:9
1889_0
Kr-54-1:9
242924
München
174926A
Berlin
218429
Kassel
205702
Eisleben
192421
Berliner Ringbahn
195629
Neuruppin
151037
Saarbrücken
160626
Brandenburg
152530
Radlenker
170108
Bremen
192327
Berlin
168001
Kr-1200/∞-1:11,515
187223
Kr-1200/∞-1:11,515
187227
Kr-1200/∞-1:11,515
Dia B21
Izmir
Übersicht Modellfotos
L9920373
MÄRKLIN 30°
L9920374
MÄRKLIN 30°
L9920375
MÄRKLIN 30°
174926A
MÄRKLIN 60°
218429
Kassel