SSy- und SSt-Wagen

Dieser Artikel erschien in der MIBA 8/1994. Spätere Aktualisierungen, z.B. wegen neuer Modelle, sind rot gekennzeichnet. Letzte Ergänzung: 12.11.2016.

Schwerlastwagen

Nachdem wir uns in Heft 8/93 mit den S- und in Heft 3/94 mit den SS-Wagen beschäftigt haben, ergänzen wir dies heute durch einen Blick auf die SSy- und SSt-Wagen. Die SSy-Wagen haben mit den SS-Wagen gemein, dass sie keine Seitenwände, aber in der Regel (herausnehmbare) Rungen aufweisen. Das "y" steht für "Ladegewicht über 50 t" (ab 1960 über 52 t), "ym" sogar für über 80 t. Das "y" schließt u.a. eine Ladebreite von mindestens 2,83 m (ab 1960 3,15 m), die Überfahrbarkeit sowie das Nebengattungszeichen "r" ein, d.h. solche Wagen sind umsetzbar auf die russische Breitspur. All diese Merkmale deuten schon darauf, dass ihr eigentlicher Einsatzzweck wenig friedlich war und ist: Sie dienen überwiegend zur Beförderung militärischer Fahrzeuge. Das sieht man auch an der Entstehungszeit: Der 4-achsige SSy45 (UIC: Rlmmp700) entstand 1940, der 6-achsige SSym46 (UIC: Sa705, ab 1980 Sammp705) wurde ab 1942 gebaut. Als Ersatz für diese Fahrzeuge beschaffte die DB ab 1964 den Sas710, der auch heute noch in großer Zahl überall dort auf den Bahnhöfen steht, wo eine Panzerdivision ihren Standort hat. Der Sas710, ab 1980 Samms710 genannt, und der Samms709 (ab 1977 gebaut) sind mit einer LüP von 16,4 m länger und vielseitiger einsetzbar als ihr nur 13,2 m messender Reichsbahnvorgänger. Beide, SSy45 und SSym46, gibt es oder gab es als Modell. Den ersten von ROCO, den anderen von LILIPUT. Das ROCO-Modell ist schon ziemlich lange auf dem Markt, und so überrascht es nicht, dass seine Gestaltung nicht ganz fehlerfrei ist. So sind zum Beispiel die Binderinge an der Seite des Wagens nicht vorbildgemäß (sie gehören an die Stirnwände). Die meisten Wagen (aber nicht alle) des Vorbildes hatten eine Anschriftentafel, die man dem ROCO-Modell wahlweise verpassen kann. Eine weitere Variante lässt sich leicht durch Entfernen des Handbremsstandes herstellen. ROCO bot das Modell nur mit UIC-Beschriftung an, und zwar sowohl in deutscher wie auch in österreichischer, so dass man auf Gaßners Beschriftungssatz G333 zurückgreifen musste, wenn man früheren Epochen frönt. 1993 erschien es ihm Rahmen einer Spielzeugring-Sonderserie auch werksseitig in Epoche-III-Livrée.

Auch das LILIPUT-Modell des SSym46 ist eine recht alte Konstruktion. Und auch hier war ein kapitaler Fehler zu verzeichnen, der sich allerdings leicht reparieren ließ: Das Modell hatte falsche Drehgestelle; die richtigen konnte man sich jedoch als Ersatzteil bestellen, denn der Tonerdewagen aus dem gleichen Hause lief auf ihnen, und die Umrüstung war völlig problemlos. Das Modell ist nun wieder angekündigt worden, und man wird sehen, ob die Ausstattung nun auch werksseitig berichtigt wurde. Wer darauf nicht warten will, wird neuerdings bei MÄRKLIN gut bedient, denn dort wurde ein maßstäbliches Modell als Neuheit auf der letzten Spielwarenmesse vorgestellt, allerdings vorerst nur in Epoche-II-Beschriftung (etwas merkwürdig, wenn man bedenkt, dass das Vorbild erst 1942 erschien - gibt es Modellbahner, die den Rückzug der deutschen Truppen aus den überfallenen Nachbarländern als Anlagenthema wählen?) Ein weiteres SSy-Modell war (oder ist noch) auf dem Markt: Der Bausatz eines SSy65 der DR von DMV. Das Vorbild war ein Neubau der DR aus den fünfziger Jahren. Außer den kurzen SSy und SSym gab es auch noch das Gattungskennzeichen SSyl für Ladelänge von über 8,5 m (ab 1960 13 m), einziger Vertreter war der ursprünglich russische SSyl19, der nach dem Krieg eine neue Heimat bei der DB fand. Offensichtlich waren diese Fahrzeuge so nützlich, dass sie 1967 noch zur Umzeichnung zum Rlmmp693 vorgesehen waren. Hiervon gibt es jedoch kein Modell. Nachtrag Januar 2010: Bei KRÜGER gibt einen Bausatz für zwei verschiedene Varianten (unterschiedliche Drehgestelle).

2014 ist bei ARTITEC ein Modell des SSy45 erschienen. Auch von MÄRKLIN gibt es ein Modell. 2016 folgte bei ARTITEC der SSym46.

Tiefladewagen

Das "t" der SSt-Wagen steht, wie man leicht erraten wird, für Tiefladefahrzeuge. Man assoziiert diese Wagen automatisch mit den ganz schweren Lasten, was aber nur bedingt richtig ist, aufgrund der aufwändigeren Konstruktion sind die Wagen sehr viel schwerer als die SSy-Wagen und erlauben - bei gleicher Achszahl - deswegen eine viel geringere Zuladung; während einem Samms710 bis zu 89 t aufgepackt werden können, schafft der ebenfalls sechsachsige SSt333 nur 80 t, der aus den 20er Jahren stammende SSt316 (noch 1964 mit 10 Exemplaren der häufigste 6-achsige SSt der DB) sogar nur 55 t; noch deutlicher ist der Unterschied bei den vierachsigen Fahrzeugen: der SSy45, der nur etwa 16 t wog, war für 52 t zugelassen, der SSt202 wiegt 30 t und kann 31,5 t tragen. Erst die 8-achsigen und noch größeren Tiefladewagen überschreiten 100 t Ladegewicht.

Es gilt also zumindest für die 2- bis 6-achsigen Fahrzeuge, dass die SSy bzw. SSym und nicht die SSt für die ganz schweren Ladungen zuständig sind. Der Hauptzweck der Tiefladewagen ist also vor allem die Beförderung sperriger Güter, die auf normalen Fahrzeugen den lichten Raum nicht einhalten würden. Bei manchen Tiefladewagen sind deswegen auch Vorrichtungen vorhanden, mit deren Hilfe die Brücke gehoben oder seitlich verschoben werden kann, so dass das Fahrzeug auch enge Stellen passieren kann. Bei einigen Exemplaren geht die Beweglichkeit der Ladebrücke sogar noch weiter: Sie kann auf extra vorgehaltene Straßen"drehgestelle" umgesetzt werden und ermöglicht so einen "Von-Haus-zu-Haus-Verkehr" selbst bei 200-t-Lasten! Viele Tiefladewagen sind speziell auf den Transport bestimmter Güter hin konstruiert, z.B. große Blechtafeln oder Glasscheiben, und lassen sich für andere Ladungen nicht verwenden. Nun aber zu den Modellen. Ein Modell eines zweiachsigen Tiefladewagens, des Uis632, findet man bei FLEISCHMANN. Das Modell ist maßstäblich. Auch die Ladung, die ein von einem Holzgerüst gehaltenes Betonformteil darstellt, ist vorbildgemäß. Die Epoche-III-Fahrer werden bedauern, dass Fleischmann eine jüngere Type als Vorbild gewählt hat, den zwischen 1957 und 1964 in 10 Exemplaren gebaute St111 oder gar den 1944 in 5 Exemplaren gebaute St37 (später St101) hätten sie sicher begrüßt.

Eine Bemerkung zu den Bauartnummer der Tiefladewagen: Sie erhielten anfangs zweistellige Nummern wie auch die übrigen Güterwagen. Da die Prinzipien der Verbandsbauarten oder des Austauschbaus hier jedoch nicht angewandt wurden, tragen alle vor Einführung der Schweißtechnik gebauten Fahrzeuge (also die genieteten) die Baureihennummer 06, unabhängig von ihrem Baujahr. Einzige Ausnahme: Es gab 1953 noch zwei 1885 (!) und 1913 gebaute St03. Zehner und Zwanziger kommen also nicht vor, dafür dann die Nummern zwischen 37 und 47 für die geschweißten Wagen vor allem aus den vierziger Jahren (und einmal 52 für einen Neubau). Genauer gefasst: Die geschweißten zweiachsigen hatten die Bauartnummern 37 oder 38, die vierachsigen 39, die sechachsigen 40, die achtachsigen 41, die zehnachsigen 42, die mit zwölf Achsen waren die SSt43, die mit 14 Achsen die SSt47. Nachkriegs-Neubauten erhielten 50er Nummern. Die DV934 von November 1953 nennt zwei sechsachsige SSt51, Skizze 48, später SSt311, und einen zehnachsigen SSt52, Skizze 50, später SSt533. Später erhielten die Tiefladewagen dann dreistellige Bauartnummern, deren erste Ziffer die Zahl der Achspaare angibt, die aber m.W. nicht angeschrieben war. 1967 wurden dann mit der UIC-Beschriftung Bauartnummer in den 600ern, 700ern und 800ern vergeben.

Das Modell des vierachsigen SSt202, Baujahr ab 57, 11 Stück bis 1964, liefert LIMA, und dieser Wagen hält, was die Werbung verspricht: Er ist prima - absolut maßstäblich und gut detailliert! Verbesserungen sind denkbar, man kann sich die Mühe machen, die Ladeschwellen abzufeilen und durch hölzerne ersetzen, Federpuffer einzusetzen etc. Das Modell wird im Katalog auch in einer norwegischen Version und neuerdings auch in einer Epoche-III-Beschriftung der DB angeboten, letzteres ist jedoch leider eine Ente, auch unter der neuen Bestellnummer verbirgt sich eine Epoche-IV-Ausführung. Dieser Mangel wurde später geheilt - Best.-Nr. 309082. Einige Serien des LIMA-Modells hatten allerdings einen Mangel, sie waren verbogen. Im Prinzip nicht falsch, denn tatsächlich sind diese Fahrzeuge auch im Original quasi der zu erwartenden Last entgegengebogen, d.h. die Durchbiegung unter der Last ist konstruktiv teilweise vorweg kompensiert. Aber natürlich nicht so extrem wie bei einem Teil der Modelle. Biegen kann man das Material nicht, es bricht. Da hilft nur Geduld: Das Modell komplett abrüsten und so mit Gewichten beschweren (siehe Abbildung) oder einspannen, dass es sich langsam richtet. Rechnen Sie mit etwa einem Jahr, bis Sie ein halbwegs brauchbares Ergebnis erzielt haben. Das nicht dauerhaft ist, der Wagen nimmt wieder seinen Ursprungszustand ein.

Der Klassiker unter den Tiefladern ist sicher das gute alte MÄRKLIN-Modell, einstmals auch der Traum des Autors, den ein gütiger Weih­nachts­mann schließlich erfüllte. Die Drehgestelle dienten auch dem Kranwagen als Chassis, die Brücke ist zu kurz, das ganze Fahrzeug hat kein Vorbild - aber schön war es doch... (Besonders beeindruckt war ich damals von dem Überhang des Wagens im Bogeninneren - stundenlang lag ich auf dem Teppich uns schob ihn über die Weichen!)

FLEISCHMANN bot bis vor kurzem einen achtachsigen Tiefladewagen an, der noch aus der 1/82-Zeit stammt und ebenfalls ohne Vorbild ist. Leser Gerhard Krauth aus Mainz verwies in einer Zuschrift zu Recht darauf, dass der alte FLEISCHMANN-Tieflader sehr wohl ein Vorbild hatte, er war ein Modell des SSt425, allerdings noch im Maßstab 1:82, und dass zumindest die Brücke des MÄRKLIN-Modells in etwa dem SSt412 entspricht (der allerdings 8-achsig war). Aber auf der diesjährigen Messe (1994) war ein Wunder zu bestaunen: Das absolut maßstäbliche Modell des ebenfalls achtachsigen SSt, ein 1931 von MAN in Nürnberg gebautes Einzelstück. Das Modell stellt die DRG-Version mit Bremserhäusern dar, das Vorbild lief dann bei der DB als SSt06 - seit mindestens 1953 ohne Bremserhäuser, aber immer noch mit den erhöhten Bremserständen. Es war 1964 noch als SSt401 im Bestand. Dem Vernehmen nach soll die Epoche-III-Variante als Sondermodell im Gespräch sein - man darf also hoffen! (Auch darauf, dass der Hersteller sich die Mühe macht, die Bremserhäuser wegzulassen.)(Hat er.) Der längste unter den SSt-Modellen war der 14-achsige Tiefladewagen von LILIPUT, dereinst einmal als Werbemodell für die SEAG geschaffen, einem der wichtigsten Hersteller von Tiefladewagen. Die Packung enthielt sowohl einen Trafo als Ladegut wie auch, für andere Lasten, eine Tiefladebrücke, die wahlweise in die Tragschnäbel eingehängt werden konnte. Das Modell kann allerdings, im Gegensatz zum Vorbild und zum KIBRI-Modell, nicht völlig ohne Zwischenteil verkehren. Dieser Wagen, der alternativ auch mit ÖBB-Beschriftung lieferbar war, ist leider nicht mehr erhältlich. Zu der Gruppe der SSt-Waggons gehören auch Spezialwagen zur Beförderung anderer Eisenbahnfahrzeuge. Zwei Modelle sind auf dem Markt: Von BEMO ein 4-achsiges Dienstfahrzeug zum Transport von Schmalspur-Fahrzeugen; das Vorbild hatte im Rahmen gelagerte Lenkachsen, das Modell der besseren Kurvengängigkeit wegen Drehgestelle. Einen echten "Tieflader" wiederum ergibt der Bausatz von DRG; beim Vorbild gab es drei Exemplare, eines zum Transport von Normalspur-, eins für Schmalspurfahrzeuge und eins ohne Schienen, die sich alle aus dem Bausatz herstellen lassen. Leider sind Bausatz wie Bauanleitung ungewöhnlich schlurig gearbeitet, und das Modell ist nicht einmal maßstäblich lang, was angesichts des Preises von etwa DM 190 nicht hinnehmbar ist. Tiefladewagen sind seltene Fahrzeuge - mehr als ein Dutzend gab es von keinem Typ, und viele waren Einzelstücke. Aber sie bringen Abwechslung in den Güterzug, und wer auf seinem Bahnhof keinen Grund zum Einsatz nachweisen kann, lässt ihn halt zum nächsten durchfahren.

Damit wären wir bei der betrieblichen Behandlung dieser Fahrzeuge. Dass SSy und SSym vor allem für den Transport militärischer Fahrzeuge gebaut wurden, die sechsachsigen insbesondere für Panzer, wurde schon erwähnt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die hohe Zuladung nur ausgenutzt werden kann, wenn die Strecke die entsprechenden Achslasten auch zulässt. Das gilt insbesondere für den internationalen Verkehr: Das RIV-Zeichen gilt nur für die normale Achslast, die volle Ausnutzung der Tragfähigkeit muss gesondert zweiseitig vereinbart sein. Weitere Ladegüter sind Bleche in Tafeln oder auch in Rollen, Brammen, schwere Profile, Gussteile etc.. Die SSt-Wagen werden zum Transport sperriger Güter herangezogen. Der Trafo, mit dem MÄrklin und (beim alten Modell) Fleischmann ihre Tieflader anboten, ist dabei im Prinzip schon recht typisch, die meisten Einsteller privater Tiefladewagen sind Trafohersteller oder Elektrizitätsunternehmen! Tatsächlich gibt oder gab es sogar eine ganze Reihe zu den Tiefladern gerechnete Spezialfahrzeuge mit fest aufgebauten Transformatoren. Ob es allerdings Trafos gab, die als Ladegut auf sechs- oder achtachsigen Wagen verladen wurden, scheint zweifelhaft. Vorbildgemäß ist aber jedenfalls der selbsttragende, in Tragschnäbel eingehängte Trafo des 12-achsigen LILIPUT-Modells. Weitere denkbare Ladegüter sind große Kabeltrommeln, Maschinenteile, Rotoren und Statoren von Kraftwerksgeneratoren und überhaupt alle sperrigen Güter. Sind sie seefest verpackt, sieht man nur eine riesige Kiste, deren Inhalt man der Phantasie des Betrachters überlassen darf; die vielbespöttelte "Überseekiste" des MÄRKLIN-Fahrzeuges ist daher im Prinzip durchaus vorbildgemäß, wahrscheinlich sogar realistischer als der Trafo. Ein Hinweis von Gerhard Krauth zur 'bespöttelten Überseekiste nach Bahia' des Märklin-Tiefladers: "Sie entspricht tatsächlich einem Vorbild, das auf einem großen Farbbild eines ganz frühen Bundesbahn-Kalenders (als die Kalender noch für Sammler begehrenswert waren) zu sehen war. Märklin hat die Beschriftung der Kiste größtenteils richtig übernommen. Nur wird sich mancher schon gefragt haben, was denn die Warnung vor dem 'Schwerpunkt' zu bedeuten hat. Das Vorbildfoto gibt Auskunft: Der vollständige Aufdruck lautet nämlich: 'Achtung! Schwerpunkt außer Mitte!' Aha!"

Wird das Lademaß überschritten, muss der Tieflade- oder Schwerlastwagen als erstes Fahrzeug im Zug eingestellt sein. Das Vorbild teilt darüberhinaus die Transporte mit Lademaßüberschreitung in Kategorien ein je nach den Maßnahmen, die dafür getroffen werden müssen: Kategorie A umfasst die unproblematischen Überschreitungen, B bedeutet, dass solche Fahrzeuge weiter als durch das Grenzzeichen angegeben von Weichen entfernt abgestellt werden müssen, Kategorie C erfordert Sperrung des Nachbargleises für andere Lü-Fahrten, D Sperrung für alle Fahrten. Außerdem können solche Züge im Bahnhof nicht die durchgehenden Hauptgleise benutzen, weil dort meist die Bahnsteigkanten im Weg sind. Man sieht, dass auch im Modell manche interessante betriebliche Vorkehrungen nachzuvollziehen sind. Leer können die Tiefladewagen in allen normalen Güterzügen befördert werden. Was noch fehlt: Schön wäre ein maßstäbliches Modell eines 6-achsigen Vorbildes, am besten des 1924/25 gebauten SSt06 (immerhin 10 Stück, alle 1964 noch als SSt316 im Dienst), genau richtig, um z.B. den Menck-Bagger von KIBRI (49 t Lebendgewicht) spazierenzufahren! (Das mit dem SSt316 wird nie was werden, weil es weder ein überlebendes Exemplar noch Zeichnungen davon gibt. ROCO hat deshalb ein neueres Vorbild wählen müssen, den SSt333.) Etwa die Hälfte aller Wagen des Vorbildes hat übrigens gerade Träger, zwischen die die Last eingehängt wird, alle lieferbaren Modelle folgen jedoch Vorbildern mit gekröpfter Brücke, auch in dieser Hinsicht wäre also Gelegenheit für etwas noch nie Dagewesenes! Das HERIS inzwischen geschaffen hat!

Nachtrag 2003

Manche Wünsche gehen in Erfüllung. Es dauert halt nur ein wenig. Wie hieß es in der MIBA 8 aus dem Jahre 1994 im Artikel über Tiefladewagen: "Schön wäre eine maßstäbliches Modell eines 6-achsigen Vorbildes, am besten des 1924/1925 gebauten SSt06 (immerhin 10 Stück, alle 1964 noch als SSt316 im Dienst), genau richtig, um z.B. den Menck-Bagger von Kibri spazierenzufahren!" Das mit dem alten SSt06 konnte nichts werden, denn von dem gibt es keine Zeichnungen mehr und schon gar kein überlebendes Exemplar. Leider. Und so hat sich ROCO für den neueren SSt333 entschieden. Das Vorbild wurde 1954 in 15 Exemplaren von der SEAG gebaut. Sie erhielten die Nummer 990 708 bis 990 722. (Später kamen noch zwei von LHB dazu.) Das ROCO-Modell trägt die Nummer 980 713. Zuletzt lief er als Uaaik761. 1998 gab es noch genau ein Exemplar, das mittlerweile auch ausgemustert sein dürfte.

Klammer auf: Die Baureihen-Nummerierung bei den Tiefladewagen in der Epoche III ist etwas kompliziert. Die Tieflader erhielten bei der DB zumindest teilweise Baureihennummern wie alle anderen Güterwagen auch, z.B. alle älteren genieteten Wagen die 06, die Nachkriegs- Neubauten 50er Nummern. Unser Besprechungsgegenstand ist als SSt51 beschriftet. In der DV934 von 1953 "Verzeichnis der Tiefladewagen" bekamen die enthaltenen Zeichnungen eindeutige Nummern, und so kam dieser Wagen zur Skizze 49, weswegen er denn z.B. auch schon mal als SSt49 bezeichnet wird. In der Ausgabe von 1964 wurden die unsystematischen Skizzennummern durch eine dreistellige Baureihennummerierung ersetzt, deren erste Ziffer die Zahl der Achspaare angibt. Von da an war der Wagen ein SSt333. Diese Nummer war aber nicht angeschrieben. Klammer zu.

Das Vorbild konnte 80 t befördern, geeigneten Oberbau vorausgesetzt. International verwendet kann er 49,5 t tragen, deshalb auch das Nebengattungszeichen "k". Das ist deutlich weniger als ein Schwerlastwagen wie der SSym46 und seine Nachfolger schultern können. Die Domäne dieses Wagens sind also vor allem sperrige Güter von einer Länge bis zu 9 m. Wie der Maßvergleich zeigt: Das ROCO-Modell ist Präzisionsarbeit! (Die kleine Differenz bei der Brückenlänge lässt sich beseitigen, sie rührt von den auf die Metallbrücke aufgesetzten Kunststoff-Pufferbohlen her.) Das Modell ist übrigens schon gleich beladen, und zwar mit einer gut verpackten Spritzgussmaschine.

Ich habe mein Exemplar mit Federpuffern von Weinert versehen, ein Unterfangen, das ich alsbald bereut habe. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag, denn man muss dazu die metallene Brücke bearbeiten. Ansonsten sind nur die beiliegenden Zurüstteile zu montieren - Griffstangen und eventuell die Bremsluftschläuche.

Modelle von Tiefladewagen
Achsen1953Skizze1964ab 1969ab 1984HerstellerBest.-Nr.
2-Uis632Uis632FLEISCHMANN5217
4SSt5254SSt202Uaik721Uaik721LIMA309082
6SSt5149SSt333Uaai761Uaaik761ROCO47740
8SSt0627SSt401Uaai772FLEISCHMANN5295
12-Uaais819KIBRI16504
14-PrivatLILIPUT20900
20-151SSt687PrivatKIBRI16500
20SSt631Uaai836Uaai836KIBRI16506
32-Uaai839TRIX24020

Die Modelllage ist also nunmehr ganz erfreulich. Es gibt für die Epoche III Modelle je eines vier-, sechs- und achtachsigen Vorbildes, wobei die 4-Achser und die 6-Achser es bis in die Epoche V geschafft haben.

Damit ist das Füllhorn aber immer noch nicht ganz ausgeschüttet. Rechtzeitig für den weihnachtlichen Gabentisch erschien ein weiteres Modell aus einer ganz anderen Ecke. Der 12-achsige Uaais819 ist als Bausatz bei KIBRI lieferbar. Das Vorbild wurde 1986 in 4 Exemplaren von der Waggon-Union für die DR gebaut (Doku-Nr. 6168), war nach der Wiedervereinigung zunächst Z-gestellt und wurde dann von der DBAG wieder in Betrieb genommen. Die Wagen dienen sicher nicht ausschließlich, aber doch dann und wann einem ganz bestimmten Zweck: Sie transportieren die CASTOR genannten Behälter mit Brennelementen für Kernkraftwerke, und den CASTOR bekommt man im Bausatz mitgeliefert. Ob die modellmäßige Dokumentation der Zeitgeschichte bei einem so emotionsgeladenen Thema sinnvoll sind, ist eine Geschmacksfrage; tatsächlich boykottieren einige Modellbahngeschäfte diesen Artikel. Aber wer den Behälter nicht mag, muss ihn nicht zusammensetzen, und übrig bleibt ein maßstäbliches Modell eines höchst interessanten Vorbildes. Im übrigen liegen dem Bausatz auch die Beschriftungen der DR bei, also für die Vor-CASTOR-Zeit. Der Bausatz ist so passgenau gefertigt, dass alle größeren Teile ganz ohne Klebstoff zusammengefügt werden können. Für den Betrieb auf der Anlage müssen allerdings die Kunststoffräder durch ROCO-, WEINERT- oder LUCK-Achsen ersetzt werden. Das Modell war denn auch alsbald ohne CASTOR zu haben, heute ist es mit diversen anderen Ladegütern im Programm (Trafo, Überseekiste).

Damit nicht genug: KIBRI hat auch ein Modell eines 20-achsigen Vorbildes im Programm. Der SSt687 wurde zum ersten Mal 1956 gebaut, weitere Exemplare folgten 1961. Alle waren Privatfahrzeuge, eingestellt bei Elektrizitätsunternehmen. Sie sind also echte Kinder der Epoche III, und hier ist Gaßner zu loben, der für diesen Bausatz alsbald einen Beschriftungssatz herausgebracht hat (G348), der die Epoche-IV-Beschriftung des Bausatzes ersetzen kann. Auch hiervon gibt es eine Beladungsvariante.

Eine weitere Lücke haben wir 1994 beklagt: Es gibt ausschließlich Modelle von Tiefladewagen mit gekröpfter Brücke. Tiefladewagen mit gerader Brücke kamen bislang nicht im Modell vor. Auch hier gibt es Neuigkeiten: Die Firma HERIS hat einen solchen Tiefladewagen im Modell vorgestellt. Das Vorbild ist ein Privatwagen für den Transport großer Glasscheiben. Auch hier bemerkt der Epoche-III-Fahrer mit Wehmut, dass er an einem älteren Vorbild mehr Freude gehabt hätte. Aber der Wagen ist wahrscheinlich - wie auch der 20-Achser von weiland Liliput - als Werbemodell entstanden. Und da ist der Modellbahner natürlich dankbar, dass ein Teil der Werkzeugkosten schon amortisiert ist, bevor er selbst zur Ladenkasse schreitet.

KIBRI hat ein weiteres Tiefladewagen-Modell herausgebracht, den Uaai836, beim Vorbild ein 1964 von MAN gebautes Einzelstück, das keine Tiefladebrücke hat, sondern einen Durchsteckträger und der deswegen zunächt nicht als Uaai, sondern als Saad eingeordnet wurde. Auch hierfür hibt es bei Gaßner die Beschriftung für die Epoche III (G350).

Ach ja, der Menck-Bagger von Kibri! Der ist so hoch, dass er in Vorbild und Modell vom Fahrgestell getrennt transportiert werden müsste. Selbst ohne Raupen erfordert das Maschinenhaus noch einen Tieflader, und es ist so breit, dass es als eine LÜ (Lademaßüberschreitung) der Kategorie B gelten dürfte, bei 3,5 m Gleisabstand sogar C, wenn nicht gar D.

Im Herbst 2007 erschien ein Modell eines italienischen Tiefladers - elegant wie ein italienischer Schuh -, hergestellt von der Firma A.C.M.E..

Von BRAWA gibt es ein Modell eines württembergischen vierachsigen Tiefladers. Er ist in zwei Varianten auch als Epoche-III-Modell auf dem Markt. Zuerst kam er als Kohlensäuretransporter mit offensichtlich fest montiertem Wagenkasten. 2008 konnte man den Wagen als richtigen Tieflader erwerben. Mindestens in dieser Fassung ist das Modell ein Fantasieprodukt, denn in der DV934 von 1953 ist ein solcher Wagen nicht enthalten. So ist auch die Betriebsnummer ein Fehlschuss: 980 804 wäre die Nummer eines achtachsigen genieteten Wagens. Wenn, dann 980 008. Aber schön ist er trotzdem, der Wagen!

Im Januar 2011 lieferte ROCO eine Beladungsveriante des sechsachsigen Tiefladewagens aus. Wieso der SSt51 nun als "SSt49" beschriftet ist? Weiß nur ROCO. Die hübsch gemachte Beladung - Glasscheiben - kann man nur auflegen, im Betrieb müsste sie festgeklebt werden. 2012 folgte dann eine dänische Ausgabe.

Übersicht Vorbildfotos
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169213
Samms der Bundeswehr
169214
Samms der Bundeswehr
002519
SSy45
108928
SSy45
154809
Samms710
165235
Sahmms710
165233
Sahmms711
147608
SSt06 nach Skizze 8
124131
Uis632
203211
Uis632
196706
Loktransporter
197202
Uikk631
140102
Uaik721
140107
Uaikks720
140034
Uai736
140028
Uaikk727
197200
Uais732
197208
Uaik746
197206
Uaais765
197212
Uais745
197217
Uaikks720
197218
Uaais819
214514
SSt43
207229
Uaai831
152518
Uaaik761
161012
Uaai810
201536
Transporter für Schmalspur-Fz
170511
Uais[9922]
170512
Uaai[9930]
170513
Uaik[9910]
170514
Uaik[9910]
170515
Uaai[9940]
170518
Uaai[9930]
170520
Uaai[9940]
170519
Uaik[9910]
170524
Uis634
170525
Uai737
170528
Uaai806
170509
Uaik[9910]
170530
Batterietransporter
L9890540
RhB-Tieflader
L9921025
USA
Index Modellfotos Tiefladewagen
L9890251
MÄRKLIN
L9890249
MÄRKLIN
L1000866
FLEISCHMANN
L5850605
LILIPUT
L5850660
LIMA
L5850508
ROCO
L5850339
BRAWA
L1000463
JOUEF
L5850576
A.C.M.E.
L5850478
SAGI
L5850621
MICRO-METAKIT
L9980491
KIBRI 16500
L9890257L
KIBRI 16504
L9920040
FLEISCHMANN
L9920278
TRIX
L9940181
HERIS